Die ICE-Datenbank (Inventory of Carbon & Energy) ist ein offener Datensatz mit Werten für graue Emissionen und graue Energie von Baustoffen, zusammengestellt von Circular Ecology (Hammond & Jones). Für die meisten Materialien gibt sie die grauen Emissionen als kg CO₂-Äq. je kg Material an — eine Intensität je Kilogramm, mit der sich Varianten früh vergleichen lassen, vor jeder formellen Bewertung.

Diese Einordnung richtet sich an die Praxis: Planung, Ingenieurwesen, Projektentwicklung und Nachhaltigkeitsberatung — an alle, die wissen, was graue Emissionen sind, und ICE-Werte gut nutzen wollen, ohne sie zu überinterpretieren.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die ICE-Datenbank liefert Werte für graue Emissionen, meist in kg CO₂-Äq./kg, für rund 1.600 Baustoffe.
  • Die Werte sind generische Durchschnitte nach Region und Branche — brauchbar für den frühen Vergleich, nicht projektspezifisch und nicht zertifiziert.
  • Die meisten Angaben reichen von der Wiege bis zum Werkstor (Gewinnung bis Fabrikausgang) — eine engere Systemgrenze als der Lebenszyklus.
  • Lesen Sie die Werte als Rangfolge: Holz niedrig, Beton mittel, Primäraluminium hoch.
  • Elementa übersetzt ICE-Werte in indikative Wirkungsklassen — keine EPD und keine Ökobilanz.

Was bedeutet „graue Emissionen in kg CO₂-Äq./kg”?

Es ist eine Intensität: die Treibhausgasemissionen, die je Kilogramm des Materials anfallen. Um daraus einen Bauteilwert zu machen, brauchen Sie die Menge — Masse oder Volumen mal Rohdichte. Deshalb ist die Mengenseite in der frühen Phase die größere Fehlerquelle: Ein Emissionsfaktor liegt um Prozente daneben, eine vergessene Decke um ein Vielfaches.

„CO₂-Äq.” fasst mehrere Treibhausgase in einer Größe zusammen, gewichtet nach ihrer Klimawirkung. Es ist nicht nur CO₂.

Welche Systemgrenze decken ICE-Werte ab?

Überwiegend A1–A3: Rohstoffgewinnung, Transport zum Werk, Herstellung. Das ist die Herstellungsphase — nicht der Transport zur Baustelle, nicht der Einbau, nicht Austausch, Nutzung oder Lebensende.

Das ist keine Schwäche, sondern eine Definition. Sie wird erst zum Problem, wenn ein A1–A3-Wert wie ein Lebenszykluswert behandelt wird. Welche Module wofür stehen, steht in Module A bis C.

Zu Durchschnitten und Streuung

ICE-Werte sind Mittelwerte über Herstellungsrouten, Regionen und Werke. Für manche Materialien ist die Streuung dahinter erheblich — Stahl ist das klassische Beispiel, wo Schrottanteil und Ofenroute den realen Wert weit vom Mittel entfernen können (Brettsperrholz, Beton oder Stahl).

Der praktische Umgang damit: Nutzen Sie den Mittelwert für die Rangfolge, nicht für die Behauptung eines konkreten Werts.

Wo liegen Stärken und Grenzen?

Stärke Grenze
Verfügbarkeit Offen, breit, sofort nutzbar Nicht produktspezifisch
Vergleichbarkeit Einheitliche Basis über Materialklassen Verdeckt Streuung innerhalb einer Klasse
Systemgrenze Klar definiert (A1–A3) Deckt nicht den Lebenszyklus ab
Eignung Frühe Variantenwahl Nicht für Nachweis oder Zertifizierung
Aktualität Regelmäßig überarbeitet Ein Datensatz, keine laufende Messung

Wie nutzt Elementa ICE-Werte?

Elementa führt 544 Materialdatensätze, aus der ICE-Datenbank abgeleitet — eine kuratierte Auswahl, nicht das vollständige Inventar, ausgewählt für Breite über die Kategorien, die im frühen Vergleich vorkommen.

Daraus bildet Elementa drei indikative Wirkungsklassen. Diese Klassen sind relative Bänder: Sie ordnen Materialien für den frühen Vergleich zueinander. Elementa leitet sie aus ICE-Werten ab; die ICE-Datenbank selbst kennt keine solche Bandeinteilung und veröffentlicht keine Grenzwerte.

Diese Unterscheidung ist wichtig. Eigene Bänder einer benannten Datenbank zuzuschreiben verleiht ihnen eine Autorität, die sie nicht haben.

Für deutsche Projekte auf dem Weg zu QNG oder DGNB kommt hinzu: Die ICE-Datenbank ist britisch, und deutsche Zertifizierungswege erwarten die ÖKOBAUDAT. Ein ICE-basierter Wert lässt sich mit einer ÖKOBAUDAT-Bewertung nicht zeilenweise abgleichen — das ist kein Qualitäts-, sondern ein Vergleichbarkeitsproblem (Ökobilanz-Software auswählen).

Häufige Fragen

Ist die ICE-Datenbank dasselbe wie eine EPD? Nein. Eine EPD ist eine unabhängig verifizierte Deklaration für ein konkretes Produkt aus einem konkreten Werk. ICE liefert generische Durchschnitte je Materialklasse. Beides ist legitim, in unterschiedlichen Leistungsphasen (EPD oder generischer Datensatz).

Sind ICE-Werte Wiege-bis-Werkstor oder Lebenszyklus? Überwiegend Wiege bis Werkstor (A1–A3). Wer sie als Lebenszykluswerte liest, unterschätzt Austausch, Betrieb und Lebensende.

Kann ich ICE-Werte für einen Nachweis verwenden? Für einen indikativen frühen Vergleich ja. Für den nach EPBD ausgewiesenen Wert nicht — der muss aus einer vollständigen Berechnung nach EN 15978 stammen (Vorbewertung oder zertifizierte Ökobilanz).

Warum liegt Beton je Kilogramm nur mittel und dominiert trotzdem meine Bilanz? Weil die Menge zählt. Eine mittlere Intensität mal einer sehr großen Masse ergibt den größten Einzelposten. Genau deshalb ist die Mengenseite wichtiger als die Nachkommastelle des Faktors.

Wo ICE am stärksten ist

Die ICE-Datenbank ist dafür gebaut, Materialklassen schnell und einheitlich zu ordnen — und darin ist sie sehr gut. Sie ist nicht dafür gebaut, ein konkretes Produkt in einem konkreten Nachweis zu vertreten. Beides zu verwechseln ist der häufigste Fehler im Umgang mit ihr.

Frühe Werte sind indikativ und richtungsweisend. Sie stützen Entscheidungen; sie ersetzen weder eine zertifizierte Ökobilanz noch einen Energieausweis.