Im Vorentwurf schätzt man graue Emissionen aus Mengen und generischen Faktoren ab, weil die Produkte, zu denen es EPDs gäbe, noch nicht gewählt sind. Man nimmt ungefähre Materialmengen aus dem Baukörper, multipliziert jede mit einem Emissionsfaktor aus einem generischen Datensatz, verwendet für die Gebäudetechnik eine veröffentlichte Methode und berichtet das Ergebnis als Bandbreite mit genannten Lebenszyklusmodulen. Das ergibt eine Zahl, die gut genug ist, um Varianten zu vergleichen. Für den Ausweis ist sie nicht gut genug, und sie sollte auch nicht so tun.

Dieser Artikel beschreibt die Methode Schritt für Schritt, nennt die Quellen, die man ohne EPD verwendet, und listet die kostenlosen und kostenpflichtigen Werkzeuge, die das übernehmen.

Kurz gesagt

  • Formel: Σ (Menge × Emissionsfaktor). Im Vorentwurf kommen die Mengen aus dem Baukörper und die Faktoren aus generischen Datensätzen.
  • Generische Datensätze sind legitim. Die EPBD-Berechnung erwartet Produkt-EPDs, wo ein Produkt gewählt ist, und lässt generische Daten zu, wo nicht (siehe EPD oder generischer Datensatz).
  • Für viele Produkte der Gebäudetechnik gibt es keine EPD. CIBSE TM65 (Januar 2021) bietet eine „Basic“-Methode (A1, aus Produktmasse und Materialzusammensetzung) und eine „Mid-level“-Methode mit weiteren Stadien.
  • Eine Bandbreite berichten, die abgedeckten Module nennen (nur A1–A3 oder A–C) und gespeicherten biogenen Kohlenstoff getrennt ausweisen.
  • Zum Vergleichen von Varianten verwenden (Tragwerk, Erhalt oder Ersatz, Fassadensystem), nicht für den Ausweis.
  • Alle Zahlen hier sind indikativ, für den frühen Vergleich, nicht für Zertifizierung oder Nachweis.

Was braucht eine Abschätzung im Vorentwurf?

Drei Eingaben und eine Gewohnheit.

Eingabe Woher sie im Vorentwurf kommt Worauf zu achten ist
Mengen Baukörpermodell oder Skizze: Deckenflächen, Wand- und Dachflächen, Fassadenfläche, Tragwerksraster, Geschosszahl Dicken und Bewehrungsgrade sind Annahmen. Aufschreiben
Emissionsfaktoren Generischer Datensatz je Material (z. B. generische ÖKOBAUDAT-Datensätze in Deutschland, baubook in Österreich) Deklarierte Einheit und Module unterscheiden sich zwischen Datenbanken. Nicht in einer Summe mischen
Technik CIBSE TM65, wo keine EPD existiert Technik fehlt in Vorentwurfsabschätzungen oft. Wenn ja, sagen
Die Gewohnheit Bandbreite und Modulgrenze berichten Ein einzelner Wert ohne Grenze wirkt präziser, als er ist

Die Rechnung selbst ist einfach und überall dieselbe: Masse jedes Materials mal Faktor, summiert. Schwer macht die Abschätzung im Vorentwurf nicht die Arithmetik, sondern die Ehrlichkeit bei den Annahmen.

Zitierfähige Zusammenfassung: Eine Abschätzung der grauen Emissionen im Vorentwurf multipliziert ungefähre Materialmengen aus dem Baukörper mit generischen Emissionsfaktoren, verwendet CIBSE TM65 für Gebäudetechnik ohne EPD und berichtet eine Bandbreite mit genannten Lebenszyklusmodulen. Sie taugt zum Vergleich von Varianten, nicht für den Ausweis.

Schritt für Schritt

1. Zuerst den Umfang festlegen. Welche Systeme sind drin? Tragwerk, Hülle, Innenwände, Oberflächen, Technik. Welche Module? Viele Werkzeuge für die frühe Phase, Elementa eingeschlossen, decken nur die Herstellungsphase A1–A3 ab. Der EPBD-Ausweis für Neubauten umfasst den gesamten Lebenszyklus nach EN 15978 (siehe Lebenszyklus-GWP, Module A bis C). Den Umfang oben ins Ergebnis schreiben.

2. Mengen aus dem Baukörper nehmen. Decken = Bruttogeschossfläche × Deckenstärke. Wände und Fassade aus Umfang × Geschosshöhe. Dach aus der Grundfläche. Dazu eine Tragwerksannahme (Beton, Holz, Stahl) und bei Beton einen Bewehrungsgrad. Jede davon ist eine Annahme; das ist in Ordnung, solange sie aufgelistet ist.

3. Einen generischen Datensatz wählen und dabei bleiben. In Deutschland sind die generischen ÖKOBAUDAT-Datensätze das, was Zertifizierungs- und Förderwege erwarten. In Österreich baubook. Datenbanken in einer Summe zu mischen ist der häufigste Weg zu einer Zahl, die später nicht zusammenpasst (siehe Ökobilanz-Software nach Aufgabe).

4. Technik mit TM65 behandeln. Viele Produkte der Haustechnik haben keine EPD. CIBSE TM65, erschienen im Januar 2021, bietet eine „Basic“-Methode auf Basis von Produktmasse und Materialzusammensetzung, fokussiert auf die Rohstoffgewinnung (A1), die sie als dominierendes Stadium benennt, und eine „Mid-level“-Methode, die Einbau, Instandhaltung, Ersatz und Entsorgung ergänzt (CIBSE TM65). Fehlt die Technik ganz, das sagen. Bei technikintensiven Gebäuden ist ihr Anteil groß.

5. Gespeicherten biogenen Kohlenstoff getrennt halten. Holz und biobasierte Materialien zeigen in der Herstellungsphase negative Werte wegen des gespeicherten Kohlenstoffs. Nach fossilen Emissionen vergleichen und den Speicher in einer eigenen Zeile ausweisen (siehe biogener Kohlenstoff in EPDs).

6. Eine Bandbreite berichten. Die Mengen sind ungefähr und die Faktoren generisch, also ist das Ergebnis ein Band, kein Punkt. Die zwei oder drei Annahmen zeigen, die es am stärksten bewegen. Meist sind das Tragwerkssystem, Deckenstärke und Fassade.

7. Zum Vergleichen verwenden. Der Wert einer Zahl im Vorentwurf ist relativ: Beton gegen Holzskelett, Erhalt gegen Ersatz, eine Fassade gegen eine andere. Das Rechenbeispiel Erhalt oder Abriss zeigt, wie.

Zitierfähige Zusammenfassung: Eine Abschätzung der grauen Emissionen im Vorentwurf folgt sieben Schritten: Systeme und Module festlegen; Mengen aus dem Baukörper mit genannten Dicken- und Bewehrungsannahmen nehmen; einen generischen Datensatz verwenden (ÖKOBAUDAT in Deutschland, baubook in Österreich); Technik mit CIBSE TM65 abschätzen; gespeicherten biogenen Kohlenstoff getrennt ausweisen; das Ergebnis als Bandbreite angeben; vergleichend verwenden.

Ist eine Abschätzung mit generischen Daten zulässig?

Für die frühe Planung ja, und so beginnen auch formale Bilanzen. Die EPBD-Berechnung erwartet produktspezifische EPDs, wo ein Produkt gewählt ist, und lässt generische Datensätze zu, wo nicht (siehe EPD oder generischer Datensatz). Im Vorentwurf ist nichts gewählt, also sind generische Daten die richtige Wahl, keine Abkürzung.

Unzulässig ist, die Abschätzung als ausgewiesenen Wert auszugeben. Ab 1. Januar 2028 muss das Lebenszyklus-GWP neuer Gebäude mit mehr als 1.000 m² Nutzfläche nach Anhang III der Richtlinie berechnet und im Energieausweis angegeben werden, ab 1. Januar 2030 für alle neuen Gebäude (Richtlinie (EU) 2024/1275, Art. 7 Abs. 2). Diese Berechnung ist eine vollständige Bilanz. Die Abschätzung im Vorentwurf sagt früh voraus, was sie ergeben wird (siehe Vorbewertung oder zertifizierte Ökobilanz).

Welche Werkzeuge übernehmen das?

Werkzeug Was man eingibt Kosten Hinweise
One Click LCA – Carbon Designer 3D Gebäudetyp, Bruttogeschossfläche, Geschosszahl; das Werkzeug erzeugt repräsentative Mengen Ab Business-Lizenz Unterstützt auch Vergleiche „Neubau oder Sanierung“ (One Click LCA)
eLCA (BBSR) Bauteile aus Vorlagen Kostenlos ÖKOBAUDAT; BNB-konform; kein vertieftes Ökobilanz-Wissen nötig (BBSR, nachhaltigesbauen.de)
baubook eco2soft Bauteile Kostenlos für bis zu 3 Gebäude (Ergebnis mit Wasserzeichen „Entwurf“); 120 € je Nutzer und Jahr professionell Österreich; GWP, AP, PENRE und OI3 (Energieinstitut Vorarlberg)
CAALA Von einfachen Flächeneingaben bis BIM Kostenpflichtig ÖKOBAUDAT; QNG und DGNB (gebaeudeforum.de)
Elementa Bestand und Entwurf je System; ein Pfad je Bauteil Registrierung offen Indikativ, A1–A3, vergleichend, gebaut für Erhalt-oder-Ersatz-Entscheidungen; keine zertifizierte Ökobilanz

Einen ausführlicheren Vergleich nach Aufgabe (Nachweis, Förderung, frühe Planung, Plausibilität) gibt es unter Ökobilanz-Software nach Aufgabe und Alternativen zu One Click LCA.

Häufige Fragen

Kann man graue Emissionen ohne EPDs berechnen?

Ja. Bevor Produkte spezifiziert sind, generische Datensätze für Materialien und CIBSE TM65 für Gebäudetechnik ohne EPD verwenden. Die EPBD-Berechnung selbst lässt generische Daten zu, wo kein Produkt gewählt ist. Generische Werte durch Produkt-EPDs ersetzen, sobald die Spezifikation feststeht.

Wie genau ist eine Abschätzung im Vorentwurf?

Genau genug, um Varianten zu reihen, nicht für den Ausweis. Die größte Unsicherheit kommt aus den Mengen (Dicken, Bewehrung, Tragwerkssystem), nicht aus den Faktoren. Deshalb eine Bandbreite berichten und zeigen, welche Annahmen sie am stärksten bewegen.

Welche Module sollte eine Abschätzung im Vorentwurf abdecken?

Mindestens die Herstellungsphase A1–A3, ausdrücklich genannt. Der EPBD-Ausweis umfasst den gesamten Lebenszyklus nach EN 15978; wer nur A1–A3 berichtet, nennt den Umfang als Teilumfang. Gespeicherten biogenen Kohlenstoff in einer eigenen Zeile.

Ist Elementas Abschätzung zertifiziert?

Nein. Elementa liefert indikative Werte der Herstellungsphase (A1–A3), um im Konzeptstadium Varianten zu vergleichen, mit gekennzeichneten Faktoren und Annahmen. Ein zertifizierter Wert braucht eine vollständige Bilanz durch qualifizierte Fachleute.

Fazit

Eine Abschätzung im Vorentwurf ist Menge × generischer Faktor, ehrlich gemacht: ein Datensatz, Technik über TM65, biogener Kohlenstoff getrennt, eine Bandbreite statt eines Punkts, die Module benannt. Diese Zahl kommt nicht in den Energieausweis. Sie sagt, solange sich der Entwurf noch ändern lässt, welche Variante man nehmen sollte.

Wer diese Abschätzung je System aufgebaut haben will, mit Erhalt-oder-Ersatz-Pfaden für Bestandsgebäude und sichtbaren Annahmen: Projekt starten (die App ist derzeit auf Englisch).